Stiftung und Zusammenarbeit

Die Stifter

Bärbel und Peter Michels
Bärbel und Peter Michels

In Homberg am Niederrhein wurden wir 1946 (Peter) bzw. 1947 (Bärbel) geboren, wuchsen dort auf und besuchten beide das Franz-Haniel-Gymnasium. Hier lernten wir uns kennen, und aus der Kinderfreundschaft entwickelte sich im Laufe der Jahre eine Jugendliebe. Schon bald wurden Zukunftspläne geschmiedet. Ein kleines Haus im Grünen, irgendwo auf dem Land, das war unser Wunschgedanke, den wir zielstrebig verfolgten.


Nach Peters bestandenem Lehrerexamen heirateten wir 1969, Peter trat seine erste Stelle an der Hauptschule in Laasphe (heute Bad Laasphe) im Wittgensteiner Land an, und wir bezogen im Januar 1970 dort eine gemütliche kleine Wohnung im Haus eines ehemaligen Bettfedernfabrikanten. Im Laufe des Jahres wechselte Peter an die Sonderschule der kleinen Stadt an der Lahn, um von 1971 bis 1973 in Raumland, nahe der früheren Kreisstadt Berleburg, die Einrichtung einer selbstständigen Schule für Lernbehinderte vorzubereiten.

Dezember 1971, das erste Weihnachtsfest im Alten Forsthaus
Dezember 1971, das erste Weihnachtsfest im Alten Forsthaus

Bislang hatten wir von einem kleinen Neubau im Wittgensteiner Land geträumt. Doch die Anzeige vom Januar 1971 "Ehemaliges Forsthaus Rehsiepen gegen schriftliches Höchstgebot zu verkaufen" warf alle früheren Pläne "über den Haufen". Wir boten bei der Briefversteigerung mit und erhielten als Meistbietende auch den Zuschlag. Ende Juni 1971 zogen wir in das alte Forsthaus nach Schmallenberg-Rehsiepen. Wir hatten unser Traumhaus bekommen!

Das Leben in der früheren Försterei inmitten der Natur prägte unser weiteres Dasein

Peter unterrichtete von 1974 bis 1994 an der Kath. Grundschule St. Michael in Schmallenberg-Oberkirchen und war dort zuletzt kommissarischer Schulleiter. Bärbel unterstützte die pädagogische Arbeit beim externen Schwimmunterricht und durch Fördermaßnahmen für Schüler mit Lerndefiziten. Ansonsten kümmerte sie sich als "vielseitig interessierte Landfrau um Haus, Garten und das liebe Vieh".

In den 1980er Jahren betreute Bärbel als vom Amtsgericht bestellte Pflegerin einen an Schizophrenie erkrankten Patienten, der im Sozialwerk St. Georg e. V. in Oberkirchen und später bis zu seinem Tod in Gellinghausen lebte.

Peter interessierte sich von Jugend an für Fahrzeugtechnik. In Rehsiepen intensivierte er sein Hobby, und manch historisches Fahrzeug wurde unter Mithilfe von Bärbel und einem befreundeten Autoschlosser wieder auf Hochglanz gebracht. In dieser Zeit entstanden auch seine automobilhistorischen Fachbücher und Aufsätze in Fachjournalen; von 1982 bis 1995 bestand sogar ein eigener Verlag.

Da Bärbel in all diese Arbeiten mit einbezogen war, begann sie schon bald eigene Texte zu veröffentlichen und ist heute durch ihre volkskundlichen und kulturgeschichtliche Abhandlungen weit über die Grenzen des Sauerlandes bekannt.

Als am 24. Februar 1991 in Winterberg-Neuastenberg der "Förderverein Westdeutsches Wintersport-Museum e. V." entstand, gehörte Bärbel als Gründungsmitglied von Beginn an dazu. Seit Eröffnung des "Westdeutschen Wintersport-Museums" im November 1998 war sie bis 2025 2. Vorsitzende des Fördervereins. Auf 250 m² dokumentieren zahlreiche, immer wieder ergänzte Exponate die Entwicklung des Wintersports in der Region.

Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten engagierten sich Peter und einige Freunde mit humanitären Hilfsprojekten in Russland, Weißrussland, der Ukraine und den baltischen Staaten. Er gründete dafür den Deutsch-Russischen Freundeskreis e. V., der später in Deutsch-Osteuropäischer Freundeskreis e. V. umbenannt wurde. Die erfolgreiche Arbeit blieb auch der Staatskanzlei in Düsseldorf nicht verborgen, und so arbeitete Peter von 1994 bis 2003 als Projektbeauftragter der Staatskanzlei von NRW in Estland, Lettland und Litauen.

Bärbel fungierte als immer erreichbare "Schaltstelle" zwischen dem Baltikum und Düsseldorf, versorgte derweil zuverlässig Haus, Hof, die eigenen Pferde und Hunde und fand abends die nötige Muße, weitere Fachbücher über das Leben in früherer Zeit zu schreiben. Dabei unterstützten sie viele Zeitzeugen und wissenschaftliche Mitarbeiter öffentlicher Einrichtungen. Das eigene umfangreiche Archiv war ebenfalls eine Grundlage ihrer Arbeiten.

1995 organisierte Peter in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt des Hochsauerlandkreises das "Estnische Kulturfestival" im Sauerland. Die Schirmherrschaft hatte Dr. h. c. Johannes Rau übernommen, damals noch Ministerpräsident des Landes NRW. Eingeladen war neben zahlreichen Künstlern der Sparten Musik, Literatur und gestaltende Kunst auch Dr. h. c. Lennart Meri, zu jener Zeit Präsident der Republik Estland. Er weilte drei Tage in unserer Region und nahm u. a. an dem Eröffnungskonzert in der Abtei Königsmünster in Meschede teil.

Estnisches Kulturfestival im Sauerland 1995. Die Aufnahme entstand nach dem Eröffnungskonzert in der Abtei Königsmünster in Meschede. V.l.n.r.: Seine Exzellenz der Präsident der Republik Estland, Lennert Meri, Helle Meri, Kultusminister Hans Schwier als Vertretung für den verhinderten Ministerpräsidenten Dr. h.c. Johannes Rau, Peter und Bärbel Michels, Abt Stephan
Estnisches Kulturfestival im Sauerland 1995. Die Aufnahme entstand nach dem Eröffnungskonzert in der Abtei Königsmünster in Meschede. V.l.n.r.: Seine Exzellenz der Präsident der Republik Estland, Lennert Meri, Helle Meri, Kultusminister Hans Schwier als Vertretung für den verhinderten Ministerpräsidenten Dr. h.c. Johannes Rau, Peter und Bärbel Michels, Abt Stephan

Bärbel Michels engagierte sich zwei Jahre in dem Arbeitskreis "Frauenleben in Schmallenberg" und veröffentlichte schließlich drei Aufsätze in dem 1998 erschienenen Buch "Lebensbilder Schmallenberger Frauen".

Nach krankheitsbedingter Pensionierung widmete sich Peter wieder intensiver seinem Hobby, der Fahrzeugtechnik. Mit Freunden restaurierte er alte Schweizer Postbusse und schreibt über interessante automobilhistorische Ereignisse.

Mit Kopf, Herz und Hand

Harte körperliche Arbeit, ein intensives Naturerlebnis und die intellektuelle Umsetzung in zahlreichen Büchern, Aufsätzen und Vorträgen gehören für uns untrennbar zusammen. Das Leben im alten Forsthaus mit all seinen unterschiedlichen, ja scheinbar gegensätzlichen Facetten empfanden wir von Anbeginn als ganzheitlich.

Ganz profan beginnt dies in der Kälte des frühen Morgens mit dem Anzünden des Holzfeuers in unserem Holzscheitofen, dem Blick nach draußen in Garten und Wald, in der von Verkehrslärm ungetrübten Stille. Vielfältig sind die Arbeiten im Haus und auf dem Grundstück; sie ändern sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten und ergeben sich aus sachlicher Logik und Dringlichkeit.

Wer so lebt wie wir, teils so wie vor hundert Jahren, dessen Interesse richtet sich fast unwillkürlich auf die damaligen Lebensumstände in der durch den Wald geprägten dörflichen Umgebung. Vieles haben wir erforscht und niedergeschrieben, doch jede Veröffentlichung erzeugt neue Fragestellungen und führt zu weiteren Informationen und Dokumenten. So haben sich die von uns zusammengetragenen Zeugnisse über unser Haus seit der Jubiläumsschrift 1986 in mehrjähriger Recherche vervielfacht. 2019 konnte Bärbel Michels schließlich die "Sorpetaler Forsthausgeschichte(n) 1808 bis 2018" veröffentlichen.