Erhalt und Wiederherstellung blütenreicher Bergwiesen

Ein weiterer Schwerpunkt der Stiftungsarbeit besteht im Ankauf und dem Erhalt bzw. der Wiederherstellung von Naturschutzflächen, um die Vielfalt und Schönheit der Natur zu bewahren. Die wieder geschaffenen naturnahen Wiesen, Hecken und Wälder haben inzwischen zur Rückkehr einiger seltener Arten geführt.

Durch Beseitigung von Wildkräutern vernichtet der Mensch die Nahrungsquelle und Existenzgrundlage vieler Insekten und anderer Lebewesen. Dadurch werden natürliche Kreisläufe in der Natur zerstört. Das versucht die Stiftung mit ihren nachhaltigen Projekten zu verhindern.

Welche Flächen erworben wurden und wie sie verändert werden, können Sie nachstehend erfahren.

Die Fotos der abgebildeten Insekten stammen von Günter Schütte:

Naturschutzflächen

Ein wirksames Instrument zur Erreichung der Naturschutzziele der Stiftung Altes Forsthaus Rehsiepen ist neben der Pflege der hauseigenen Flächen der zusätzliche Erwerb von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken. So wurden in den letzten Jahren aus Stiftungsmitteln bereits 50 ha Wald- und Grünlandflächen im Umfeld des Alten Forsthauses Rehsiepen und in weiteren Regionen im Hochsauerlandkreis erworben.

Alle Flächen liegen in Natur- und Landschaftsschutzgebieten, Vogelschutz- und FFH-Gebieten. Bei der Auswahl der Ankaufflächen wird von der Stiftung Altes Forsthaus besonders darauf geachtet, räumlich zusammenhängende Bereiche zu erwerben.

Ziel des Grunderwerbs ist die dauerhafte Sicherung der Flächen, die Umsetzung erforderlicher Pflegemaßnahmen sowie die Festschreibung einer extensiven land- und forstwirtschaftlichen Nutzung zur Schaffung von artenreichen, naturnahen Lebensräumen als Nahrungs- und Brutbiotop der hier lebenden Vögel, Säugetiere und Insekten.

Dafür werden zerstörte Waldflächen mit standortgerechten Laubhölzern wieder aufgeforstet, Grünlandflächen extensiv, d. h. ohne Einsatz von Düngern, bewirtschaftet und in der Landschaft fehlende Strukturelemente wie Hecken, Feldgehölze und Brachstreifen angelegt. Besonders wird auf eine die Insekten schonende Bewirtschaftung der Wiesen geachtet, indem die Flächen erst spät im Jahr mit einem modernen Doppelbalkenmähgerät abgeerntet werden. Durch den Einsatz dieser Spezialmaschine kann ein Großteil der Wiesen bewohnenden Insekten den Ernteschnitt überleben.


Geänderte Mähmethode der Bergwiesen

Ein besonderes Anliegen der Stiftung ist es, dem derzeit stattfindenden Insektensterben entgegenzuwirken. Dies soll durch eine geänderte Mähmethode und späte Mähzeit im Jahr erreicht werden, wodurch nicht nur die im Gras lebenden Insekten, sondern auch die anderen im Gras befindlichen Tiere und Bodenbrüter vor dem Mähtod bewahrt werden.

Die beiden Bilder zeigen zwei Schmetterlinge, aufgenommen von Günter Schütte:

Durch das Aussamen der Gräser und Blütenpflanzen vor dem Mähen werden die Wiesen artenreicher und dienen vielen Insekten als Nahrung. 

Die verfolgten Ziele des Projekts mit der geänderten Mähmethode sind:

• Bewahrung der im Gras lebenden Insekten, Bodenbrüter und Säugetiere vor dem Mähtod.

• Die Sicherstellung des Aussamens der Gräser und Blütenpflanzen vor dem Mähen, einhergehend mit dem Verzicht auf jegliche Düngung und den Einsatz von Pestiziden, dient der Verbesserung des Nahrungsangebots für die dort lebenden Tiere.


Die Vorteile dieser Mähmethode:

• Durch einen spät gelegten Mähzeitpunkt der Wiese finden keine Mähverluste von im Gras verborgenen Rehkitzen, Junghasen, sowie Fasanen, Rebhühnern und anderen Bodenbrütern, wie Lerche oder Grasmücke, statt. Die Absuche der Wiese mit einer Drohne oder einem Jagdhund vor dem Mähen kann dadurch entfallen.

Die Darstellung der Mähmethode und die angebotenen Bilder in der Bildergalerie – aufgenommen auf den so veränderten Wiesen der Stiftung – beweisen, dass auf diese Weise die Vögel, Insekten und Pflanzen zurückkehren.

• Den im Gras verborgenen Insekten wird durch die langsame Mähgeschwindigkeit die Möglichkeit zur Flucht gegeben.

• Während gebräuchliche rotierende Mähsysteme als Scheiben- oder Trommelmäher das Gras zerschlagen bzw. abreißen und Kleinstlebewesen durch Sogwirkung in erheblichem Umfang vernichten, vermeiden Balkenmähwerke diese Nachteile. Das Gras wächst schneller nach. Zum Vergleich war eine angrenzende Wiese am selben Tag mit herkömmlichem Scheibenmähwerk gemäht worden. Nach 14 Tagen lag die Zuwachsrate auf der Balkenmäher-Fläche bereits um 15 mm höher.

• Ein Nachschärfen der Doppelmesser ist erst nach rund 20 ha erforderlich. Die heutigen Doppelmesser-Mähwerke verstopfen kaum und weisen eine leichte Bauweise und einen geringen Kraftstoffverbrauch auf.

• Traktoren mit 30 PS reichen zum Mähen mit dem Balkenmäher bereits aus, was eine geringere Bodenverdichtung zur Folge hat.

• Seit 2023 wird durch die Untere Naturschutzbehörde das entsprechende Mähen von Vertragsnaturschutzflächen auf Antrag mit 130 €/ha gefördert.


Erhalt des Rebhuhn-Vorkommens in der Medebacher Bucht 

Die Stiftung widmet sich auch dem Erhalt des Rebhuhn-Vorkommens in der Medebacher Bucht, indem Randstreifen an Wiesen stehen bleiben, die den Rebhühnern Nahrung und Schutz bieten. Der Bestand an Rebhühnern schwankt ständig, verursacht durch klimatische Einflüsse und als Beute von Raubvögeln und Raubwild. Hinzu kommen die Verluste durch fehlende Nestmöglichkeiten und Nahrungsquellen, die von Menschen verursacht werden. Rebhühner gehören zu den Kulturflüchtern, d. h., wenn sie einmal verschwunden sind, dann kehren sie selten zurück. Rebhuhnketten wurden auf Flächen der Stiftung in Braunshausen beobachtet. 

Das Foto eines Rebhuhns ist in der Medebacher Bucht von Werner Komischke aufgenommen worden
Das Foto eines Rebhuhns ist in der Medebacher Bucht von Werner Komischke aufgenommen worden

Durch die veränderte Mähmethode lassen sich nachhaltig erreichen:

• Die Wiederherstellung und der Erhalt von Lebensräumen für Säugetiere, Vögel und Insekten.

• Eine Chance für die Rückkehr schon verschwundener Fauna und Flora.

• Die Wiederherstellung und der Erhalt einer typischen regionalen naturnahen Landschaft.

Flächenerwerb der Stiftung

Die naturnah erworbenen oder wiederhergestellten Flächen dienen u. a. Rangern und Waldpädagogen als Anschauungsobjekte für ihre Arbeit.

Im Stadtgebiet von Schmallenberg, Hallenberg und Winterberg konnten bereits folgende Biotopkomplexe erworben werden:

Feuchtwiesenkomplex Rehsiepen 

Bei den Feuchtwiesen im Nahbereich des Alten Forsthauses Rehsiepen handelt es sich um besonders artenreiche Feuchtwiesen mit Orchideenvorkommen. Die Flächen werden ohne Düngereinsatz mit geringem Viehbestand extensiv abgeweidet oder nur einmal im Jahr spät gemäht. Das geerntete Heu übernimmt ein benachbarter Landwirt.


Magerweidekomplex "Lehmkaule" bei Braunshausen

Die ursprünglich auf diesen Flächen vorhandenen, nicht standortgerechten Nadelbäume wurden abgeerntet und die Flächen anschließend als Magergrünland entwickelt. Dafür mussten Holzreste und Äste von der Fläche geräumt, die Wurzelstümpfe gemulcht und so eingeebnet werden. Zur gewünschten Grünlandentwicklung wurde artenreiches Heu aus der Nachbarschaft als Mulch auf die Oberfläche aufgebracht. So kann der im Heu vorhandene Samen der Blütenpflanzen und Gräser auf den vorbereiteten Boden fallen und keimen. Zusätzlich wurde im Auftrag der Stiftung gewonnenes Saatgut von Spenderflächen eingesät.

Randlich stehengebliebene trockene Fichten wurden gefällt und liegengelassen. Zwischen die Holzreste konnten dann typische Heckengehölze der Medebacher Bucht als Brutbiotope für besonders geschützte heckenbrütende Vogelarten gepflanzt werden.

Der Flächenkomplex wurde komplett eingezäunt und kann mit Rindern eines ortsansässigen Landwirts beweidet werden. Die extensiv beweideten Flächen bieten so mit ihren vielen Insektenarten ein wichtiges Nahrungsbiotop für Brutvögel.

Die nachstehenden Bilder zeigen die Umwandlung der Fläche "Lehmkaule". Fotos: Jürgen Reinecke


Mähwiesenkomplex "Dreisbachtal" bei Hallenberg 

Ein größerer Flächenkomplex konnte im Dreisbachtal erworben werden. Das Gelände ist an einen ortsansässigen Biolandwirt verpachtet, der durch die Bewirtschaftung (spätes Mähen, stark reduzierte Düngung) besonders artenreiche Mähwiesen entwickeln soll.

Im durch Feuchtwiesen geprägten Talraum des Dreisbachs werden die vorhandenen Heckenstrukturen gepflegt und die Grünlandflächen zukünftig mit geeigneten Rindern extensiv beweidet.

In diesen arrondierten, landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen mehrere Hektar Waldfläche, die nach Beseitigung der abgestorbenen Nadelbäume mit Laubgehölzen wieder aufgeforstet werden. Dabei wird besonders darauf geachtet, schon vorhandene Waldränder zu optimieren und baumfreie Schneisen anzulegen, damit sich hier ein störungsfreies optimales Biotop für die im Landschaftsraum vorhandene Wildkatze entwickeln kann.


Erwerb "Galgenberg" bei Hesborn

Die 2021 erworbene Fläche am "Galgenberg" bei Hesborn war ursprünglich mit Fichten bepflanzt. Später wurde die Fläche zu einem Drittel mit Buchen aufgeforstet. Der Rest ist eine Magerwiese, bestanden mit Hungerblümchen, Kleinem Sauerampfer und anderen, Trockenheit liebenden Pflanzen.

Da die freie Fläche ungeschützt dem Wind und der Sonne ausgesetzt ist, soll eine neu gepflanzte Hecke als Windbrecher dienen. Im Windschutz der Buchen sollen auf ca. einem Drittel der Wiesenfläche vom Landkreis bezahlte Obstbäume gepflanzt werden.

Die Fläche "Galgenberg" bei Hesborn war ursprünglich mit Fichten bepflanzt


Bergheidekomplex "Knappsaal" am Hilmesberg bei Hesborn

Im Herbst 2021 erwarb die Stiftung bei Hesborn ein 2,4 ha großes, unter Naturschutz stehendes Heidegebiet am Hilmesberg, Lagebezeichnung "Knappsaal", bewachsen mit Heidekraut, Wald- und Preiselbeeren sowie Maiglöckchen.

Die Heide zeichnet sich durch einen flächendeckenden Bewuchs aus Zwergstraucharten wie Besenheide, Preisel- und Blaubeere sowie eingestreuten, punktuellen Vorkommen von seltenen Moos- und Flechtenarten aus.

Problematisch ist in der Heide ein enormes Aufkommen von Ginster, Brombeeren und Birken, die nur durch regelmäßiges manuelles Zurückschneiden reduziert werden können. Eine Beweidung mit Ziegen und Schafen ist in Zukunft vorgesehen. Dafür wurde eine mobile, steckbare Weidezaunanlage angeschafft.

Weitere Pflegemaßnahmen wie Heideplaggen (Abschieben von Humus- und Streuauflage) sollen in absehbarer Zeit durchgeführt werden. Dadurch kann ein geeignetes Keimbett für Saatgut der Zwergsträucher entstehen und sich die Bergheide ausbreiten.

Die Heide am "Hilmesberg" bei Hesborn zeichnet sich durch einen flächendeckenden Bewuchs von Besenheide, Preisel- und Blaubeere sowie eingestreuten, punktuellen Vorkommen von seltenen Moos- und Flechtenarten aus.

Foto r.u.: Rita Maurer, 2021


Talwiesenkomplex im Nuhnetal bei Züschen 

Im Talraum des Naturschutzgebiets Nuhnetal konnten mehrere zusammenhängende Parzellen angekauft werden. Nach Beseitigung nicht standortgerechter Nadelbäume auf einer Teilfläche und der Einzäunung mit einem festen Weidezaun konnte so ein Weidekomplex mit artenreichen Feuchtweiden, Magerweiden und Hochstaudenfluren entwickelt werden. Die Beweidung mit Rindern erfolgt extensiv durch einen ortsansässigen Landwirt.

Die aufwendigen Phasen der Umwandlung der Talwiese "In der Bäche" in Bildern: Das Grundstück "In der Bäche", gelegen an der Grenze von Züschen und Hallenberg, wurde von den Fichten befreit. Die Laubbäume blieben erhalten, und die freien Flächen wurden zur Begrünung mit Mahdgut aus extensiver Landwirtschaft belegt


Neuastenberg, Bergwiese "Am Zwistkopf"

In Neuastenberg "Am Zwistkopf" konnten bislang 6 ha Bergwiesen für extensive Bewirtschaftung erworben werden. Von einer Teilfläche wurden die aufstehenden Fichten entnommen, die auf der Fläche vorhandenen Holzreste gemulcht. Von einer nebenan liegenden Bergwiese der Stiftung wurde mit einem "Wiesefix" der reife Grassamen abgefegt und anschließend per Hand auf dieser Teilfläche ausgesät.

Grassamenernte mithilfe eines "Wiesefix"-Gerätes.

Anschließend erfolgte die Aussaat des Grassamens per Hand.